Neuer GOTS Präsident – Prof. Dr. Romain Seil

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Sehr geehrte Damen und Herren,

in Hamburg tagt der 33. Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS), der gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) erstmals als Deutscher Olympischer Sportärztekongress (www.deutscher-olympischer-sportaerztekongress.de) veranstaltet wird. Rund 900 führende Sportmediziner, Sportwissenschaftler, Biologen, Chirurgen, Internisten, Kinderärzte, Sport-Therapeuten und viele andere Experten aus der Gesundheitswirtschaft aus 20 Ländern diskutieren noch bis Samstag (26. Mai) an der Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, über aktuelle Themen in der Behandlung von Spitzen- und Breitensportlern.

Die Mitgliederversammlung der GOTS wählte am Freitagabend ein neues Präsidium. Für die kommenden zwei Jahre übernimmt Prof. Dr. Romain Seil aus Luxemburg den Vorsitz. Er folgt auf Prof. Dr. Stefan Nehrer aus Krems in Österreich. Der nachfolgende Text und die angehängten Dateien sind für die Veröffentlichung freigegeben.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Andreas Bellinger, GOTS-Pressesprecher

Neuer Präsident der GOTS: Prof. Dr. Romain Seil (Luxemburg)
 

romain_seilDie Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) hat in Prof. Dr. med. Romain Seil einen neuen Präsidenten. Der Orthopäde und Chefarzt der Klinik der Erkrankungen des Bewegungsapparates am Centre Hospitalier de Luxembourg wurde am Freitag im Rahmen des 33. Jahreskongresses der GOTS in Hamburg einstimmig zum Nachfolger von Prof. Dr. Stefan Nehrer aus Krems in Österreich gewählt.

Professor Seil ist am Centre Hospitalier de Luxembourg seit September 2004 als orthopädischer Chirurg tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die orthopädische Sportmedizin sowie die primär- und revisionsoperative Kniechirurgie. Seil ist seit 2007 außerplanmäßiger Professor für Orthopädische Chirurgie an der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar. Seit 2009 ist er zudem beigeordneter Direktor des Luxembourg Olympic Medical Center und des Sports Medicine Research Laboratory des « Luxembourg Institute of Health ».

Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassen sich mit der Analyse und Verbesserung von diagnostischen, chirurgischen und nicht-chirurgischen Prinzipien der Überlastungs- und sportbedingten Gelenkverletzungen und -erkrankungen sowie der Erforschung und Förderung von Initiativen der Primär- und Sekundärprävention in der Sportmedizin und Gelenkchirurgie. Dafür wurde Seil, der Autor bzw. Co-Autor mehrerer hundert Peer-Review-Publikationen und Buchkapitel ist, mehrfach ausgezeichnet. Im August 2015 wurde er als Hauptautor des Monats im American Journal of Sports Medicine ausgewählt.
Weltweit gefragt und anerkannt

Prof. Seil ist Gründungsmitglied sowie Mitglied des Kuratoriums des Journal of Experimental Orthopedics, der wissenschaftlichen Zeitschrift der Europäischen Gesellschaft für Sporttraumatologie, Kniechirurgie und Arthroskopie (ESSKA), deren Präsident er gleichfalls ist. Überdies ist er seit 2001 Mitglied der American Orthopaedic Society for Sports Medicine. Er ist Mitherausgeber der Zeitschriften « Arthroskopie » (Fachzeitschrift der Deutschsprachigen Arthroskopie-Gesellschaft AGA) und « Sportorthopädie und Traumatologie » der GOTS sowie Redaktionsmitglied und Gutachter mehrerer Fachzeitschriften in der Orthopädischen Chirurgie und Sportmedizin.

Seil ist Vorstandsmitglied des neu gegründeten Luxembourg Institute for High Performance in Sports (LIHPS) sowie Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen medizinischen Fachgesellschaften. Von 2003 bis 2005 hatte er den Vorsitz des Arthroskopie-Komitees der Internationalen Gesellschaft für Arthroskopie, Kniechirurgie und Orthopädische Sportmedizin (ISAKOS) inne. 2014 war er Präsident der Jahrestagung der Französischen Arthroskopie Gesellschaft in Luxemburg und 2016 Präsident der Jahrestagung der GOTS in München.

Sportorthopäde aus Leidenschaft

Der neue GOTS-Präsident hat einiges vor, wie er im folgenden Interview beschreibt. Wenn noch freie Zeit bleibt, macht sich Seil auf zum Skifahren mit der Familie oder dreht ein paar Joggingrunden. Regelmäßig Handball spielen ist dagegen nicht mehr drin. Dabei war der Orthopäde und Sportmediziner in der Jugend ein gleichermaßen leidenschaftlicher wie erfolgreicher Akteur. Die Luxemburgische Meisterschaft, der Pokalsieg sowie Europacup-Begegnungen beispielsweise gegen den VfL Gummersbach, aber auch Einsätze in der Nationalmannschaft waren herausragende Erlebnisse. « Deswegen freut es mich sehr, Mitherausgeber des ersten Fachbuchs der Handballmedizin überhaupt zu sein », sagt Seil. Sein größtes Hobby allerdings ist seit 15 Jahren, ein akademisches Umfeld in der Orthopädie und der Sportmedizin in Luxemburg aufzubauen.

 

Drei Fragen – drei Antworten:

 

Wie beurteilen Sie den Status quo der GOTS?

Prof. Dr. Romain Seil: « Die GOTS ist nach der AOSSM (American Orthopaedic Society for Sports Medicine, Anm.d.Red.) die zweitgrößte nationale sportorthopädische Gesellschaft der Welt. Sie ist gut organisiert, sehr breit aufgestellt, international gut vernetzt und bietet jungen Kolleginnen und Kollegen viele Möglichkeiten zur Weiterbildung und Forschungsförderung. Insbesondere in den letzten vier bis sechs Jahren hat sie sich stark verändert und einige innovative, attraktive und sehr erfolgreiche Projekte eingeleitet. Unter anderem die Expertenmeetings und die daraus resultierenden Publikationen, den GOTS-Sportarzt, die Beteiligung am Arthroskopieregister und jetzt den Master der Sportorthopädie. »

 

Was sind Ihre Pläne für Ihre GOTS-Präsidentschaft?
Seil: « Zunächst einmal müssen wir sicherstellen, dass die bestehenden und neuen Projekte wie auch der vor einigen Jahren eingeleitete Professionalisierungsprozess erfolgreich weitergeführt werden. Die Geschäftsstelle muss ausgebaut werden, um eine solide Basis für die Weiterentwicklung der Gesellschaft darzustellen und unseren Mitgliedern einen noch professionelleren Service bieten zu können. Mit unserem dynamischen Vorstand, guten Nachwuchsleuten und unserem hochmotivierten Team der Geschäftsstelle bin ich diesbezüglich sehr optimistisch. Im September werden wir ein zweitägiges strategisches Treffen durchführen, bei dem wir die Entwicklungspläne der nächsten Jahre ausarbeiten werden. Dies wird mit professioneller Hilfe der Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) stattfinden. »

Welchen Stellenwert hat die GOTS im Rahmen der politischen Entscheidungsprozesse?
Seil: Das Attraktive an der GOTS ist, dass sie ein Fachgebiet vertritt, das per Definition interdisziplinär ist. Die Sportorthopädie konzentriert sich bei einem spezifischen Krankheitsbild nicht ausschließlich auf die operativen Aspekte, sondern auch auf Prävention und Nachbehandlung. Diesen weitgreifenden Gedanken müssen wir weiterführen und auf die derzeitigen beruflichen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Sportes und der Medizin übertragen.

Es kann nicht sein, dass Sportverletzungen EU-weit Kosten in Milliardenhöhe generieren, die denen von neurodegenerativen Erkrankungen kaum nachstehen, und die Sportorthopädie als Ganzes dennoch politisch kaum bis wenig wahrgenommen wird. Neuere Erkenntnisse haben gezeigt, dass bis zu 50 Prozent des durch die körperliche Aktivität generierten gesundheitlichen Nutzens durch das Gesamtvolumen an Sportverletzungen verloren geht. Deswegen müssen der Sportorthopädie Mittel zur Verfügung gestellt werden, um dieses Problem wissenschaftlich korrekt angehen zu können.

Wie Sportverletzungen entstehen, muss weiter erforscht werden. Ihre Prävention muss den Weg in die Trainerausbildung finden, um die kurz- und langfristigen Folgen von Sportverletzungen zu verringern. Wir müssen versuchen, mit sportpolitischen Entscheidungsgremien in Kontakt zu treten und auf dieses Problem aufmerksam machen. Hierbei kann der GOTS eine herausragende Rolle zukommen. Auch berufspolitisch könnte sich die Sportorthopädie der deutschsprachigen Länder besser aufstellen. Die ökonomischen Veränderungen im Gesundheitswesen haben dazu geführt, dass für Lehre und Forschung immer weniger Zeit bleibt und immer geringere Mittel zur Verfügung gestellt werden. Es droht ein Ausbildungs- und Nachwuchsproblem.

Europaweit müssen wir deshalb versuchen, für eine bessere Verankerung unseres Fachs in den akademischen Ausbildungszentren zu sorgen, so wie sie beispielsweise in Südkorea oder Japan beispielhaft existieren. Die deutschsprachige Sportorthopädie darf den internationalen Anschluss nicht verlieren. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass in den deutschsprachigen Ländern noch immer kein ‘research centre of excellence’ des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) existiert. » (Vom IOC anerkannt und unterstützt sind neun Forschungszentren in Norwegen, Australien, Kanada, Dänemark, Südkorea, Niederlande, Katar, Südafrika und Großbritannien/Anm. d. Red.)